16. Februar 2018

Astronauten würden Chefs raten: Schreit nicht so viel!

Die Fehltage von Beschäftigten kommen ein Unternehmen richtig teuer. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin liefert die Zahlen dazu.

Ach, kein Bock auf Arbeit. Bringt ja eh nichts, mit dem Kater. Schnupfen habe ich auch. Stecke ich nur die Kollegen an. Sagt sich der Beschäftigte und bleibt zu Haus.

O. k., ich habe die Soundso mal wieder angeschrien, ja, nicht schön, aber ist sie doch selber schuld, wenn sie so schlampig ist. Sagt sich der Vorgesetzte, und die Angeschriene bleibt am nächsten Tag zu Haus.

Ich will nicht moralaposteln, heute jedenfalls ist mir nicht danach. Macht also ruhig weiter blau! Nur schreien, das geht als Vorgesetzter gar nicht. Das sage ich selbst an einem moralapostelfreien Tag.

Dennoch ist es interessant, sich über sich selbst zu erheben, den großen Zusammenhang zu sehen, so wie Astronauten auf die Erde blicken. Dabei hilft einem die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die ganz nüchtern betrachtet hat, wie viel die Arbeitsunfähigkeit der Beschäftigten ein Unternehmen kostet.

Schreie ich einen Untergebenen an, kostet das mein Unternehmen pro Tag 109 EUR, wenn der Untergebene dann berechtigterweise am folgenden Tag krank zu Hause bleibt. Jedenfalls im Durchschnitt. Wenn ich meinen Untergebenen Manuel Neuer anschreie, kostet mich das Hunderttausende. Dazu kommt der Ausfall an Produktivität. Pro Tag 193 EUR. Bei Manuel Neuer am Tag des Champions League Finales ein paar Millionen.

Bleiben wir bei uns Normalos. Ich schreie ja nicht nur einen einzigen Angestellten in die Krankheit. Und nicht nur für einen einzigen Tag. Ich schreie meinen Angestellten bis zu 15,2 Arbeitstage pro Jahr in die Krankheit. Und alle anderen auch.

Ja. Jeder Beschäftigte fehlt im Schnitt 15,2 Arbeitstage pro Jahr. Laut Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Erhoben von rund 30 Mio. gesetzlich versicherten Arbeitnehmern. Die Zahlen stammen aus 2015. Aktuellere gibt es nicht.

Schauen wir jetzt mal auf ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern. Da fehlen also 500 Mitarbeiter im Jahr rund 15 Arbeitstage. Das sind rund 7.500 Arbeitstage in einem einzigen Unternehmen. Das entspricht einer Fehlzeitenquote von 7 %. Sagen wir, in diesem Unternehmen verdienen die Mitarbeiter durchschnittlich 45.000 EUR. Es geht also nicht um einen Fußballklub. Sondern wahrscheinlich um ein gewerkschaftlich organisiertes Unternehmen. Das Einkommen des Betriebsratsvorsitzenden rechnen wir raus, um den Schnitt nicht noch höher zu treiben. Die Einkommen der Chefs sind natürlich sowieso außen vor.

In diesem Fall betragen die Lohnfortzahlung pro Krankheitstag 245,45 EUR.
Mal 15 = 3.681,82 EUR pro Person.
Mal 500 = 1.840.909 EUR.

Ein Prozent Fehlzeiten weniger spart das Unternehmen 356.000 EUR pro Jahr. Das müsste allein durch weniger Schreien der Vorgesetzten zu schaffen sein. Und das sind ja nur die Lohnkosten. Die ungleich höheren Produktionsausfälle kommen noch dazu.

Es lohnt sich also durchaus für ein Unternehmen, die vorgesetzten Schreier so anzuschreien, dass diese ihrerseits fehlen. Oder Sie achten auf eine Unternehmenskultur, in der die Vorgesetzten nicht schreien. Nur mal so als Idee.

Sicherheitshalber sollte ich hinzufügen, dass nicht alle Beschäftigten nur deshalb krankheitsbedingt fehlen, weil sie angeschrien werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat durchaus noch andere Gründe ausgemacht. Die üblichen Skelettschmerzen zum Beispiel. Aber wer sagt denn, dass die nicht durch Verspannungen der Vorgesetzten entstanden sind. Also Vorgesetzte, Astronauten würden raten: schreit Eure Leute nicht an!

Auch interessant

Newsletter abonnieren
© 2018 DearEmployee GmbHDatenschutzDatenschutz AppImpressumKontaktOnline Demo

DearEmployee verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie diese Seite nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Mehr InfoEinverstanden