1. November 2018

DearEmployee in der Berliner Zeitung: Digitale Analyse als Frühwarnsystem im Arbeitsalltag

Dieser Beitrag von Angelika Giorgis erschien am 13. Oktober 2018 in der Berliner Zeitung.

Deutlich mehr als ein Drittel der Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflege (41,5 Prozent) und in der Altenpflege (42,9 Prozent) bewerteten bei einer Umfrage im Auftrag des BKK Dachverbandes ihre eigene Arbeitsfähigkeit als mäßig beziehungsweise schlecht. Rund 2000 Beschäftigte verschiedener Branchen und Berufe wurden im vergangenen Jahr zum Thema „Gesundheit und Arbeit“ befragt.

Mehrbelastung durch Krankheit

Bei den Pflegekräften sind psychische Belastungen und krankheitsbedingte Ausfälle besonders hoch. Nicht nur wegen der Schichtarbeit, sondern vor allem auch wegen der Mehrbelastung durch krankheitsbedingte Ausfälle der Kollegen. Hinzu kommen unter anderem geringe Entscheidungsspielräume bei hoher Verantwortung und wenig gesellschaftlicher Anerkennung.

Die Branche leidet unter einer hohen Fluktuation der Arbeitnehmer – und das bringt weitere Probleme für den Stationsalltag in Kliniken und Pflegeeinrichtungen mit sich. Wegen des Mangels an Pflegekräften werden von vornherein Überstunden eingeplant, was dann für die Mitarbeiter langfristig zu einer steigenden und übermäßigen Arbeitsbelastung führt.

Arbeitgeber versuchen zunehmend, dieser Spirale aus steigender Belastung durch Überforderung systematisch entgegenzuwirken. Dabei werden physische und psychische Belastungen analysiert. Bereits mehr als sechs von zehn Beschäftigten (61,9 Prozent) nutzen Angebote aus der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Krankenkassen zahlen dafür Präventionsgelder: sieben Euro pro Versichertem und Jahr. Dieses Geld wurde bisher hauptsächlich für Rückentraining und Yoga eingesetzt. Doch das Rückentraining hilft nur dabei, weniger Schmerzen zu haben. Die psychischen Probleme, die durch die hohe Arbeitsbelastung auftreten, und die zu geringe Erholungszeit bleiben bestehen.

Vor fünf Jahren wurde deshalb das Arbeitsschutzgesetz (§ 5f. ArbSchG) überarbeitet. Es verpflichtet alle deutschen Arbeitgeber – unabhängig von der Größe oder Branche eines Unternehmens – dazu, die Gefährdung der Beschäftigten durch die psychische Belastung bei der Arbeit zu beurteilen und ihr entgegenzuwirken.

Wird eine Belastung festgestellt, muss der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen dagegen ergreifen, sonst drohen ihm Strafen beziehungsweise Regressansprüche der Sozialversicherungsträger, wenn der Beschäftigte dadurch krank wird.

Vorsorge als Wettbewerbsvorteil

„Gesundheitsförderung kann ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein – insbesondere für die vielen kommunalen Unternehmen in den Wachstumsbranchen des Gesundheitssektors“, sagt Dr. Amelie Wiedemann, die zwölf Jahre lang an der Freien Universität zu Stressoren und Ressourcen am Arbeitsplatz und zu Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Unternehmen forschte. Gemeinsam mit Daniel Fodor, der an der Charité zu Fragen der psychischen Belastung am Arbeitsplatz forschte, und Henning Jakob, der Führungskräfte von Konzernen für den digitalen Wandel trainierte, haben sie das Start-up „DearEmployee“ gegründet. Auf Wunsch unterstützen sie Unternehmen dabei, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu erkennen und besser zu beurteilen.

Für diese gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung hat das Start-up eine einfache und digitale Lösung entwickelt. Die neue wissenschaftlich fundierte Befragung zielt darauf ab, zusätzlich zur psychischen und körperlichen Gesundheit auch die Motivation und die Bindung an das Unternehmen zu messen und herauszufinden, welche Gruppen am meisten belastet sind. Haben die Mitarbeiter beispielsweise Probleme, eine Balance zwischen ihrer Arbeit und ihrem Privatleben zu finden, wird ermittelt, ob die Ursache Personalmangel, Druck der Führungskraft oder auch die familiäre Situation ist. „Bei einem unserer Kunden waren beispielsweise über 50-jährige Mitarbeiter, die einen Angehörigen zu Hause pflegten, die am häufigsten belastete Zielgruppe“, berichtet Amelie Wiedemann. Mit einer solchen Analyse können die Unternehmen auch herausfinden, welche Arbeitsbedingungen einen förderlichen Einfluss auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten haben. Es wird einfacher, dauerhafte Fehlbelastungen und somit hohe Fehlzeiten zu vermeiden. Wenn gewünscht, können auch Unternehmenskennzahlen wie Fehltage, Fluktuation und Produktivitätsmaße in die Analyse eingebunden werden, um wichtige Zusammenhänge für die Personal- und Organisationsentwicklung herzustellen.

Seit März dieses Jahres arbeitet DearEmployee mit Arbeitspsychologen der DEKRA zusammen. Die ersten Mitarbeiter wurden bereits vom DearEmployee-Team geschult. Ziel ist es, für alle Beschäftigten gesunde und motivierende Arbeitsplätze zu schaffen. (ag)

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