12. Dezember 2018
Porsche Brosseau: media slave / www.flickr.com

Ein Bildschirm strahlt mehr als 1000 Worte: Nach dem Lesen dieses Artikels nehmen Sie kein Smartphone mehr mit ins Bett

Möchten Sie innerhalb der nächsten Stunde schlafen gehen? Dann empfehle ich Ihnen an dieser Stelle das Lesen dieses Artikels abzubrechen, Ihr Smartphone, Tablet oder Laptop zur Seite zu legen und sich ein Buch zu schnappen (ein gedrucktes Buch!). Morgen erfahren Sie hier, warum das eine gute Idee ist.

Noch hier? Dann viel Spaß beim Lesen und trotzdem eine gute Nacht!

Wieder hier? Eine weise Entscheidung. Guten Morgen und viel Spaß beim Lesen!

Sie wecken uns. Sie briefen uns zum Tagesablauf und Wetter. Sie finden für uns den schnellsten Weg zur Arbeit. Auf dem Weg erzählen sie uns, was wir in den letzten Stunden während des Schlafens alles verpasst haben. Daraufhin machen sie unseren Arbeitsalltag effizienter, lenken uns gleichzeitig von unserer Arbeit ab. Sie streamen uns am Abend Filme und Serien auf unser TV-Gerät oder sagen uns wo wir unsere Freunde auf ein Feierabendbier treffen können. Und am Ende des Tages gehen wir mit ihnen ins Bett.

Die Smartphones und das Melatonin

Smartphones sind immer bei uns. Und sie sind natürlich auch enorm hilfreich. Aber gerade in der letzten Phase des Tages sollten wir uns vielleicht besser lossagen von den leuchtenden Alleskönnern. In den letzten Jahrzehnten ging nämlich nicht nur die Dauer des Schlafes stetig zurück, sondern auch dessen Qualität. Dies könnte zu einem Großteil an der künstlichen Lichtquelle liegen, der wir beim Betrachten des Bildschirms ausgesetzt sind (das gilt selbstverständlich nicht nur für den Bildschirm des Smartphones). Einige Untersuchungen zeigten bereits, dass Smartphone, Tablet & Co unter anderem den Melatoninspiegel unterdrücken. Trotzdem war bis zum Zeitpunkt dieser Studie wenig darüber bekannt, wie diese Technologie den Schlaf direkt beeinflusst.

Das Schlafhormon Melatonin

Melatonin wird unter anderem in der Zirbeldrüse unseres Gehirns aus Serotonin produziert. Neben anderen wichtigen Funktionen steuert Melatonin den Tag-Nacht-Rhythmus. Allerdings ist dieses Schlafhormon sehr lichtempfindlich: Es wird nur dann aus der Zirbeldrüse ausgeschüttet, wenn es dunkel wird. Dementsprechend werden wir abends (eigentlich) müde. Im Laufe der Nacht steigt der Melatoninspiegel weiter an, bis er in den Morgenstunden absinkt – indem das aufkommende Licht die Produktion in der Zirbeldrüse hemmt.

Über den Melatoninhaushalt kann übrigens auch die Winterdepression erklärt werden. In dieser Jahreszeit bleibt der Melatoninspiegel aufgrund des fehlenden Lichts auch tagsüber erhöht, was wiederum zu Schlafstörungen, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit führen kann.

Eine wichtige Rolle spielt das Hormon auch bei Schichtarbeit und beim guten alten Jetlag. Hier kann sich der Schlaf-Wach-Rhythmus vom Tag-Nacht-Rhythmus abkoppeln. Dies gilt im Übrigen ebenso für blinde Menschen.

Smartphone versus Buch

Um herauszufinden, ob Smartphones & Co wirklich den Schlaf beeinträchtigen, wurde folgendes Experiment durchgeführt: Zwölf junge und gesunde Erwachsene wurden zum Lesen eingeladen. Und zwar für zwei Wochen. An zehn dieser 14 Tage wurde in den Stunden vor dem Schlaf gelesen. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Hälfte las fünf Tage lang auf einem Licht emittierenden Gerät während die zweite Hälfte in einem gedruckten Buch las. Nach einem Tag Pause wurde getauscht.

Während der zwei Wochen wurde eine ganze Menge erhoben: Blutentnahmen (tlw. stündlich!), Polysomnographie (kurz: PSG) während des Schlafs, Elektroenzephalogramm (kurz: EEG) am Abend und am Morgen.

Es wurden daraufhin die biologischen Effekte des Lesens auf dem Bildschirm und im gedruckten Buch miteinander verglichen.

Die traurigen Fakten der Strahlemänner

Probanden, die auf dem Bildschirm lasen wiesen im Vergleich zum Lesen im gedruckten Buch folgende Symptome auf:

  • eine geringere Müdigkeit vor der Schlafenszeit
  • eine verringerte Delta-Aktivität im Gehirn (traumloser, erholsamer Tiefschlaf)
  • eine verringerte Theta-Aktivität im Gehirn (Traum-/REM-Schlafphase)
  • einen unterdrückten Anstieg des spätabendlichen Melatoninspiegels
  • eine verlängerte Einschlafzeit
  • eine Verzögerung des circadianen Schrittmachers und damit einen verschobenen Tagesrhythmus der Melatonin-Ausschüttung
  • eine Veränderung der Schlafneigung
  • eine verringerte nächtliche Erholung und damit erhöhte Müdigkeit am Morgen

Noch nicht überzeugt?

Dass sich der abendliche Smartphone-Konsum auf den Schlaf und die Leistungsfähigkeit auswirkt, wäre soweit geklärt. Neueste Studien zeigen darüber hinaus jedoch noch beunruhigendere Zusammenhänge:

Eine chronisch unterdrückte Melatonin-Ausschüttung durch allabendliche bzw. nächtliche Dauerbelichtung hängt mit einem erhöhten Risiko für Brust-, Dickdarm- und fortgeschrittenen Prostatakrebs zusammen. Das wurde vor allem durch Studien zur Auswirkung von Nachtschicht herausgefunden. Weitere mögliche Folgen sind Schlafstörungen und chronischer Schlafdefizit.

Und, sind Sie überzeugt?

Mich persönlich hat dieser Artikel dazu bewegt, mein Smartphone aus dem Schlafzimmer zu verbannen – zumindest an den meisten Tagen schaffe ich es.

Wie auch immer Sie sich nach diesem Artikel entscheiden – falls Sie überhaupt ein Smartphone-am-Bett-Typ sind – machen Sie doch mal einen kleinen Selbstversuch: Eine Woche mit, eine Woche ohne. Wenn Sie sich in der zweiten Woche ausgeschlafener und leistungsfähiger fühlen, dann machen Sie es am besten zur Dauerlösung!

Bildquelle: Porsche Brosseau: media slave / www.flickr.com

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