24. Mai 2018

Killen statt mobben

Mobbing führt nur zu unzufriedenen, weinerlichen, kranken Mitarbeitern. Killen ist da wesentlich produktiver, weiß die SPD.

Quizfrage: Welche Bevölkerungsgruppe kommt bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung am Schlechtesten weg? Es ist, um es vorweg zu nehmen, die gewaltige Bevölkerungsgruppe der SPD-Vorsitzenden.

Dass Chefs ihre Mitarbeiter mobben, kennt man ja. Aber das Chefs gemobbt werden? Nun ja, die SPD macht‘s möglich. SPD-Chef Martin Schulz wurde nach eigenen Angaben derart von seiner Partei zugesetzt, dass er sich fünf Wochen lang mit einer Grippe herumschlug (also nicht nur mit Genossen, kleiner Scherz). Dass es nur um seelische Grausamkeiten ging und nicht um handfeste Grausamkeiten, liegt lediglich daran, dass Martin Schulz dem Politikbetrieb nicht gewachsen ist. Sonst hätte er den Rat seiner Nachfolgerin beherzigt, Sigmar Gabriel zu killen, statt sich von ihm killen zu lassen („kill ihn, sonst killt er Dich“). Deshalb also die vielen Leibwächter.

Das wird Martin Schulz jetzt als Schwäche vorgehalten, aber was will man von einem Mann mit Haaren im Gesicht anderes erwarten? Seine Vorgänger im Amt mit Haaren im Gesicht wurden ebenfalls von ihren eigenen Leuten gekillt. Rudolf Scharping von Oskar Lafontaine. Und Kurt Beck gleich von einem ganzen Rudel von Genossen.

Aber bevor jetzt jemand aufschreit, die SPD diskriminiere Männer mit Haaren im Gesicht, kann ich beruhigen. In der SPD werden auch die Männer ohne Haare im Gesicht aus dem Amt gemobbt. Willy Brandt von Herbert Wehner. Helmut Schmidt von den Jusos. Gerhard Schröder von Allen.

Aber sollen sich die an der Spitze ruhig massakrieren, die kriegen ihr Gnadenbrot als Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung oder des Bundes Deutscher Radfahrer oder des Verbandes der lupenreinen Demokraten.

Mein Mitgefühl gilt eher den Namenlosen. Wer romantisch genug ist, zu glauben, die SPD mobbe nur nach oben, muss ich enttäuschen.

Allerdings findet man dazu im Netz nicht viel. Leider. Offenbar uninteressant. Ab und zu kommt mal was hoch. Wenn nicht mehr zu übersehen ist, dass da keine Schweißperlen auf den Gesichtern glänzen, sondern Tränen.

Oder wie bei der Essener SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Hinz. Sie hatte offenbar reihenweise Mitarbeiter in die Flucht und in die Krankheit gemobbt. Raus kam das nur deswegen, weil sie sich zu Unrecht als Juristin ausgegeben hatte. Das war vielleicht ein Skandal.

Erst auf die so Gestrauchelte brach die öffentliche Wut ihrer gemobbten Mitarbeiter herein. Auf einmal meldete sich auch die „Arbeitsgemeinschaft SPD-Mitarbeiter im Deutschen Bundestag“, zu Wort, eine Art Betriebsrat für Beschäftigte von Sozialdemokraten. Sie klagte über mobbende Mitglieder des Bundestages. Und verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, der Fall Petra Hinz werde dazu führen, „dass man in Zukunft die Signale über katastrophale Zustände in Abgeordneten-Büros ernster nimmt und dem hohen sozialdemokratischen Gut der `fairen Arbeitsbedingungen` mehr Gewicht verleiht“. Ha.

Warum sprach der Betriebsrat dann nicht jenen Abgeordneten und Ex-Minister an, der schon mal mit Gegenständen nach seinen Mitarbeitern warf; einer von denen zog vor mir ein Hosenbein hoch und zeigte mir seine vernarbte Wunde. Oder warum blieb die Ex-Ministerin ungeschoren, die ihre Mitarbeiter regelmäßig zu Weinattacken trieb? Viele wissen, wie schändlich sich diese Leute verhalten, die in der Öffentlichkeit dennoch hohes Ansehen genießen.

In unserem Land kommt es für Führungspositionen offenbar nicht darauf an, ob man auch führen kann. Wir sind so hierarchisch und elitär geprägt, dass wir Führungsversagen unter den Teppich kehren.

Kurz nur, ein einziges Mal, gab es bundesweit einen empörten Aufschrei über unsägliches Führungsverhalten und nun ist mal ein Christdemokrat an der Reihe. Schauen Sie bitte bei Youtube nach, unter: „Schäuble rastet aus – cholerisch, Mobbing oder nur betrunken?“.

Wollen wir hoffen, der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble war betrunken, als er seinem Pressesprecher in der Bundespressekonferenz die Schamesröte ins Gesicht trieb. Andererseits sagt man ja, dass Menschen im Suff ihr wahres Gesicht zeigen. Jedenfalls ist dieser Wolfgang Schäuble nun Bundestagspräsident.

Ein Lobbyist für die psychische Gefährdungsbeurteilung ist er sicher nicht. Die SPD-Vorsitzenden müssen sich woanders ausheulen.

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