28. Februar 2019

Lebenskrisen: So bauen Sie Beschäftigte in Lebenskrisen wieder auf

Lebenskrisen treffen MitarbeiterInnen oft unvorbereitet. Plötzlicher Pflegebedarf von Angehörigen, Trennungen oder finanzielle Schwierigkeiten können eine große private Belastung bedeuten, die sich letztendlich auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Jeder Zweite war schon mal von einer privaten Lebenskrise betroffen. Wie Führungskräfte mit diesen privaten Herausforderungen umgehen, kann dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Lösung der Krise haben.

2017 wurde im AOK Fehlzeitenreport ein besonderer Fokus auf Lebenskrisen gelegt, denn aus der Befragung von 2000 MitarbeiterInnen ging hervor, dass jeder Zweite (53,4%) schon mal von einer privaten Lebenskrise betroffen war. Zwei Drittel der Betroffenen fühlten sich durch die Krisen weniger leistungsfähig oder gingen während dieser Zeit krank zur Arbeit. Dabei berichteten 58,7% von körperlichen und 79% von psychischen Problemen durch Lebenskrisen. Des Weiteren zeigt der Report, dass in den letzten zehn Jahren nicht nur die Zahl der psychisch Erkrankten gestiegen ist, sondern auch die Ausfallzeit je Patient. Mit 25,7 Tagen fallen ArbeitnehmerInnen wegen psychischer Probleme fast doppelt so lange aus als der Durchschnitt mit 11,7 Tagen.

Alter und Lebenskrise

Der Report zeigte, dass sich die Auslöser von Lebenskrisen und deren Häufigkeit je nach Lebensphasen unterscheiden. Während jüngere Erwerbstätige neben privaten Konflikten auch finanzielle und soziale Probleme als Ursache einer Lebenskrise angaben, spielten Krankheit, Altern oder der Tod des eigenen Partners bei den 50-65-Jährigen eine größere Rolle. Dabei wächst die Wahrscheinlichkeit von einer solchen Krise betroffen zu sein mit dem Alter. Bei Beschäftigten unter Dreißig hatten nur etwas mehr als ein Drittel (37,6 Prozent) bereits kritische Lebensereignisse erfahren. Bei den über fünfzig Jährigen waren es fast zwei Drittel (64,7 Prozent). Mit Blick auf den demografischen Wandel und die damit einhergehende, alternde Belegschaft steigt die Wahrscheinlichkeit, dass MitarbeiterInnen von Lebenskrisen getroffen werden. Doch welche Rolle spielen die privaten Herausforderungen im Berufsalltag?

Was können Arbeitgeber tun?

Der Report verdeutlichte, dass sich private Probleme schnell auch auf den Arbeitsalltag auswirken können und nicht nur einzelne MitarbeiterInnen betreffen, sondern in weiterer Folge auch die Arbeit in Teams und somit langfristig auch den Erfolg des Unternehmens beeinflussen können. Der AOK-Report zeigte, dass Führungskräfte eine wichtige Rolle in der Bewältigung von Lebenskrisen spielen können. Denn wenn die Befragten das soziale Verhalten ihrer Vorgesetzten als positiv beurteilten, gaben sie im Vergleich zu ArbeitnehmerInnen, die das Vorgesetztenverhalten als negativ beurteilten fünfmal so häufig den Vorgesetzten, aber auch doppelt so häufig die Arbeitskollegen als Hilfe bei der eigenen Krise an. „Wenn Krisen sowohl aus Sicht der des Betriebes als auch des betroffenen Beschäftigten gut gemeistert werden, können beide Seiten gestärkt daraus hervorgehen.“, so Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO).

Was können ArbeitgeberInnen also konkret beitragen, um ihre MitarbeiterInnen in Krisensituationen zu unterstützen? Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit/Teilzeit gaben 20 Prozent als hilfreich an. Auch unbezahlter Urlaub/Sonderurlaub (12 Prozent) sowie eine Vermittlung in professionelle Hilfe (12 Prozent) wurde von Betroffenen als unterstützend erlebt.

Offene Unternehmenskultur fördern

Entsprechende Unterstützungsformate anbieten zu können, setzt natürlich voraus, von privaten Herausforderungen überhaupt zu wissen. Eine gesunde Führungskultur bildet daher den Grundpfeiler für eine offene Unternehmenskultur. Ihre Rolle als AnsprechpartnerIn für belastetet Beschäftigte sollten Führungskräfte daher ernst nehmen. Besteht Angst davor, private Probleme der MitarbeiterInnen offen zu besprechen, gibt es gute Schulungsangebote, um die richtige Gesprächsführung zu erlernen. Denn ohne die Offenheit für die Anliegen der MitarbeiterInnen wird auch die Angst geschürt, private Probleme überhaupt zu thematisieren. Das kann die Situation weiter verschlimmern. DearEmployee kann hier mit entsprechenden Schulungsangeboten unterstützen.

Unterstützung verbessern

Aber auch wenn Führungskräfte verständnisvoll auf private Probleme ihrer MitarbeiterInnen reagieren, können die Möglichkeiten der Unterstützung im beruflichen Alltag an Ihre Grenzen stoßen. Hier können Employee Assistance Programme (EAP) helfen. Das zeigt auch der AOK-Fehlzeitenreport. Fast ein Fünftel der von einer Lebenskrise Betroffenen gab an, keine betriebliche Unterstützung erhalten zu haben (19 Prozent). In vielen großen Unternehmen dagegen gibt es bereits entsprechende Angebote. „Viele Unternehmen wissen um die hohe Relevanz betrieblicher Angebote in Lebenskrisen. Einen Nachholbedarf sehen wir jedoch bei kleinen Betrieben mit unter zehn Mitarbeitern.“, unterstreicht Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Dabei müssen auch nicht alle Maßnahmen vom Betrieb selbst angeboten werden. Mittels Betriebspartnerschaften können zum Beispiel mehrere Betriebe in einer Region gemeinsam Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement durchführen. Oder man implementiert ein EAP mit Unterstützung von außen. Das kann auf mehreren Ebenen hilfreich sein.

Auf Bedürfnisse flexibel reagieren

Wie geht man beispielsweise damit um, wenn MitarbeiterInnen mit Ihren Problemen anonym bleiben wollen? Die gesetzlich vorgeschriebene, psychische Gefährdungsbeurteilung bietet dazu eine ideale Grundlage. Anonym können sich MitarbeiterInnen ehrlich zu ihrer Arbeit und Ihrem Befinden äußern. Basierend auf den Ergebnissen können ArbeitgeberInnen Handlungsbedarf erkennen und passende Maßnahmen einleiten. DearEmployee kann dabei unterstützen, die Höhe und Art des Bedarfs von Unterstützungsangeboten zu analysieren. Gemeinsam mit unseren Partnern können in der Folge entsprechende Kontingente zur Verfügung gestellt werden. Ohne die Anonymität gegenüber dem Arbeitgeber zu verlieren, können MitarbeiterInnen dann auf diese Angebote zurückgreifen. Besteht der Bedarf oder Wunsch sich in psychologische Behandlung zu begeben, kann DearEmployee gemeinsam mit unseren Partnern dabei unterstützen, einen Therapieplatz zu finden. Denn die Wartezeiten sind meist lang und die Suche nach einem passenden Therapieplatz zusätzlich belastend. Übergangsweise kann auch eine Online-Therapie helfen. Auch hier hat DearEmployee in Selfapy einen kompetenten Partner. Auch bei der privaten Pflege von Angehörigen, kann der Arbeitgeber spezifische Unterstützung anbieten.

MitarbeiterInnen und ArbeitgeberInnen profitieren gleichermaßen

Gesetzlich ist in der PGB zwar nur die Beurteilung der Arbeitsbedingungen vorgegeben, möchte man die Mitarbeiter aber bestmöglich unterstützen, darf man sich keine blinden Flecken erlauben. Vielmehr sollte man konkret nachfragen, wie es den MitarbeiterInnen geht und genau das macht DearEmployee. Eine zukunftsorientierte Personalpolitik mit einem innovativen betrieblichen Gesundheitsmanagement kann somit schnell und effektiv auf die neuen Herausforderungen reagieren. Dabei sind die Kosten für die Einführung eines Employee Assistance Programs gering. Die positiven Effekte, wie die Verbesserung der Gesundheit der MitarbeiterInnen und somit die Verbesserung der Leistungsfähigkeit sowie die Minimierung von Krankheitstagen machen sich dafür langfristig bemerkbar. So profitieren von den Unterstützungsleistungen nicht nur die ArbeitnehmerInnen. Die AOK-Erhebung zeigt zudem, dass unterstützende Maßnahmen nicht nur die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten steigern, sondern sie auch länger an das Unternehmen bindet. Denn MitarbeiterInnen, die bei einer Lebenskrise wertvolle Unterstützung von ihrem Arbeitgeber erfahren haben, fühlen sich emotional stärker mit dem Unternehmen verbunden.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

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