25. März 2019

Nach der Krankschreibung zurück in den Job - so gelingt der Wiedereinstieg

Nicht nur für Unternehmen bedeutet eine langfristige Arbeitsunfähigkeit eine große Belastung. Auch für MitarbeiterInnen, die der Arbeit für längere Zeit oder immer wieder fern bleiben müssen, fällt es oft schwer, mit ihrem Arbeitgeber über die Frage der Wiedereingliederung zu sprechen. Langwierige oder häufige Erkrankungen haben häufig zur Folge, dass das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Fähigkeiten schwindet. In den Arbeitsalltag zurückzukehren, erscheint dann oft als unüberwindbare Hürde. Doch genau an dieser Stelle soll das BEM Mitarbeiter ermutigen, gemeinsam mit dem Arbeitgeber Lösungen zu finden, um wieder dauerhaft arbeitsfähig zu werden und erneute Erkrankungen zu vermeiden. Dazu müssen die Arbeitsbelastungen untersucht und der Arbeitsplatz sowie die Arbeitsaufgaben auf den Prüfstand gestellt werden. Das Programm der betrieblichen Eingliederung liefert den passenden Rahmen, um die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten, Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und den Arbeitsplatz auf lange Sicht zu sichern.

Wer muss ein BEM durchführen?

Jeder Arbeitgeber ist laut § 8 Abs. 2 SGB IX verpflichtet, Beschäftigten die, am Stück oder innerhalb von zwölf Monaten, länger als sechs Wochen arbeitsunfähig gemeldet waren, ein betriebliches Eingliederungsverfahren anzubieten. Auch Zeiten einer medizinischen Rehabilitation werden dabei in die sechs Wochen eingerechnet. Tut er dies nicht und kündigt MitarbeiterInnen krankheitsbedingt, kann dies vor Gericht als unverhältnismäßig eingestuft werden und zur Unwirksamkeit der Kündigung führen. Das BEM-Verfahren ist unabhängig von Schwere und Art der Krankheit anzubieten. Stellen Vorgesetzte also fest, dass sich MitarbeiterInnen bereits sechs Wochen im Krankenstand befinden, können sie sich mit der Personal- oder Betriebsleitung in Verbindung setzen und über die Situation austauschen. Was ist bereits bekannt? Besteht Kontakt zum Betroffenen/zur Betroffenen? Sind Folgen der Abwesenheit bei den unmittelbaren KollegenInnen erkennbar? Nach dem Gespräch kontaktiert die Führungskraft den/die ArbeitsmedizinerIn mit der Bitte, mit der Kollegin/dem Kollegen Kontakt aufzunehmen. Ziel ist es, in medizinischen Belangen zu helfen und über das BEM-Programm zu informieren. Willigt der Beschäftigte/die Beschäftigte ein, kann nach Rückkehr in den Betrieb ein Erstgespräch organisiert und ein BEM-Verfahren eingeleitet werden. Hier können Beschäftigte weitere Parteien wie, falls vorhanden, den Betriebsrat, ArbeitsmedizinerInnen oder Schwerbehindertenvertretung einbeziehen. Auch wenn ArbeitnehmerInnen Anspruch auf ein BEM haben, gilt hier das Prinzip der Freiwilligkeit. Sollten MitarbeiterInnen nicht einwilligen, ist das Verfahren beendet.

Wie läuft eine BEM ab?

Wird ein Erstgespräch gewünscht, geht es zunächst darum, Vertrauen aufzubauen und über das BEM-Verfahren vollständig aufzuklären. Denn das BEM lebt von Vertrauen und Offenheit. Und das können ArbeitgeberInnen am besten erreichen, indem sie ein transparentes und nachvollziehbares Verfahren aufzeigen. Beschäftigte sollten darüber informiert werden, dass sie nicht verpflichtet sind, den Grund ihrer Erkrankung mitzuteilen. Sind bleibende Einschränkungen abzusehen, kann es sinnvoll sein, den Betriebsarzt hinzuzuziehen, der den Arbeitgeber im Sinne der Schweigepflicht zwar nicht über die Krankheit, aber über die arbeitsrelevanten Folgen informiert. Das Eingliederungsmanagement ermöglicht es Beschäftigten wie ArbeitgeberInnen, die bestehende Gesundheitssituation der/des Beschäftigten richtig einzuschätzen und die Arbeitsbedingungen entsprechend anzupassen. Als Primärziel gilt es, Schritt für Schritt den Wiedereinstieg in die bisherige Arbeit zu ermöglichen. Gemeinsam wird ein Konzept entwickelt und es werden Maßnahmen festgelegt. Zum Beispiel können notwendige Arbeitsmittel beschafft, eine Freistellung von bestimmten Tätigkeiten vereinbart, Qualifizierungsmaßnahmen, Begleitung durch ein Arbeitsbewältigungscoaching (Arbeitsmediziner/-in), Coaching der Führungskraft, Teambegleitung/Teamcoaching, Prüfung der Übernahme einer anderen Aufgabe/Wechsel des Arbeitsplatzes vereinbart werden. Aber auch eine Reduktion der Arbeitszeit kann eine mögliche Lösung darstellen. Außerdem kann über vielfältigen Reha-Leistungen informiert werden, um die Genesung bestmöglich zu unterstützen. Denn das BEM ist, anders als das Krankenrückkehrgespräch, ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, das bereits während der Erkrankung die Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung ausloten soll. Auf diese Weise sollen MitarbeiterInnen so früh wie möglich bei ihrer Rückkehr ins Arbeitsleben begleitet werden.

Dass ein betriebliches Eingliederungsmanagement sinnvoll ist, zeigt eine Studie der Universität Köln. Laut Befragung führte jedes dritte Unternehmen den Rückgang des Krankenstandes auf das BEM zurück. Dabei zeigte sich auch, dass in kleineren Betrieben BEM kaum bis gar nicht thematisiert wurde und bislang nur in großen Unternehmen zum Einsatz kommt. Dabei hat das BEM nicht nur für Großunternehmen viele Vorteile.

Vorteile für Ihr Unternehmen

Der wichtigste Vorteil: Geschätzte, langjährige MitarbeiterInnen können mit BEM langfristig im Unternehmen gehalten werden. Mit entsprechenden Maßnahmen gehen auch qualifizierte und fachkompetente MitarbeiterInnen, die möglicherweise nicht an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren können, dem Unternehmen nicht einfach verloren. Stattdessen kann mit Hilfe des BEM ein anderer Arbeitsbereich gefunden werden, indem sie ihr Fachwissen und ihre Erfahrung an anderer Stelle einbringen können, zum Beispiel in der Ausbildung.

Ein weiterer Vorteil: Die Ausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeit können vermindert oder vermieden werden. Das BEM kann in diesem Sinne als Schutz des Human- und Organisationskapitals verstanden werden, es erhält den immateriellen Vermögenswert des Unternehmens. So hat beispielsweise das Disability Management der Ford-Werke in Köln bei knapp 18.000 MitarbeiterInnen zu einem ökonomischen Nutzen von circa 19 Millionen Dollar geführt. Denn fast alle MitarbeiterInnen mit gesundheitlichen Leistungseinschränkungen konnten wieder in den regulären Arbeitsprozess eingegliedert werden.

Vertrauen und Loyalität schafft langfristige Bindung

Zu wissen, dass sich das Unternehmen auch in schwierigen Zeiten für die eigenen MitarbeiterInnen einsetzt, führt darüber hinaus auch zu einer stärkeren Bindung der ArbeitnehmerInnen an das Unternehmen. Auch nach außen verbessern Präventionsmaßnahmen das Unternehmensimage. Denn mit der Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements signalisiert das Unternehmern, dass es eine Unternehmensphilosophie verfolgt, die der Arbeitsplatzsicherheit einen hohen Stellenwert beimisst. Zudem kann eine sozial kompetente und weitblickende Personalarbeit besser auf neue Herausforderungen reagieren und MitarbeiterInnen besser unterstützen. Durch ein koordiniertes Verfahren beschleunigt sich der Zugang zu konkreten Maßnahmen, indem beispielsweise Schnittstellen zum gegliederten Sozialsystem mit Renten-, Kranken-, Unfall und Sozialversicherungen geschaffen werden. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt der BEM liegt aber auch in der Informationsgewinnung für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge: Gefahren, Probleme und Risiken können hier identifiziert werden und innerbetrieblich frühzeitig Lösungen gefunden werden. So geht der Blick weg von der Einzelfallbetrachtung, hin zu einer koordinierten und systematischen betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Langfristig können sich Unternehmen so auch auf demografisch bedingte Herausforderungen besser und schneller einstellen.

Fazit

Die betriebliche Eingliederung nach längerer Krankheit ist für die MitarbeiterInnen eine Chance, wieder in den Beruf einzusteigen und für die Unternehmen eine Pflicht und Gelegenheit, als Unternehmen, gemeinsam mit den betroffenen MitarbeiterInnen, gestärkt aus einer Krise hervorzugehen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

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