22. April 2020

Produktives Homeoffice und Kinderbetreuung – ein Ausschlusskriterium?

Seit letztem Donnerstag ist klar, Schulen und Kitas werden frühestens im Mai wieder schrittweise öffnen dürfen. Dies bedeutet für berufstätige Eltern weitere stressvolle Wochen, in denen Sie versuchen müssen ihre Arbeit, die Kinderbetreuung und das alltägliche Leben unter einen Hut zu bekommen. Sie sind konfrontiert damit, sowohl die Anforderung ihres Arbeitgebers zu erfüllen, als auch die Bedürfnisse von ihren Kindern zu befriedigen. Der Alltag wird somit zu einer Zerreißprobe und die psychische Belastung steigt.

Tipps für die Kinderbetreuung im Homeoffice

Auf allen Kanälen erhält man zurzeit nützliche Tipps bezüglich Homeoffice. Die sind jedoch besonders mit jüngeren Kindern oft nicht so einfach umzusetzen. Eine Strategie, die sowohl mit als auch ohne Kinder im Homeoffice wertvoll ist, sind feste Strukturen und Routinen. Die können Eltern zum Beispiel durch einen Art Stundenplan schaffen. Schließlich gibt es auch in der Schule oder in der Kita feste Zeiten für verschiedene Aktivitäten. Planen Sie also eine wichtige zu bearbeitende Aufgabe für den Zeitslot ein, bei dem der Sohn an den Matheaufgaben sitzt oder die jüngere Schwester ihr Mittagsschlaf hält. Und ganz wichtig: Planen Sie Spielpausen ein, in denen sie sich aktiv Ihren Kindern widmen. Dann wird eine Zeitperiode, in der die Kleinen nicht stören sollen, auch eher von ihnen akzeptiert.

Auch wenn der Tag gut durchstrukturiert ist, planen Sie einen extra Zeitpuffer für unerwartete Aufgaben und Unterbrechungen ein. Denn anders als die Kolleg*innen im Büro, sind Kinder unberechenbar. Da kann es gut passieren, dass der Papa vom Projektmanager, schnell zum Rettungssanitäter umschulen muss, um das aufgestoßene Knie zu versorgen. Ein ausreichender Zeitpuffer hilft Ihnen trotz der festen Strukturen flexibel zu bleiben und hinterlässt am Ende des Tages das Gefühl etwas geschafft zu haben. Flexibilität heißt Zeiten auszunutzen, in denen die Kinder beschäftigt sind und auch nachgeben, wenn der Zeitplan gerade nicht aufgeht. Insgesamt müssen Eltern akzeptieren, dass sie im Homeoffice wahrscheinlich nicht das gleiche Arbeitspensum wie im Büro schaffen können. Hierfür ist in Zeiten von Corona die Solidarität und das Verständnis von Arbeitgeber und Kolleg*innen gefragt.

Was die Politik (nicht) tut

In vielen Familien sind entweder beide Elternteile im Homeoffice oder ein Teil derzeit ohne Beschäftigung. Hier ist eine Aufteilung der Betreuungszeiten mit dem/der Partner*in möglich. In einer Umfrage des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigte sich jedoch, dass Mütter seltener als Väter weiterhin im selben Stundenumfang wie vor der Krise arbeiten und auch häufiger gar nicht mehr ihren Beruf ausüben. Frauen verdienen oft weniger als Männer und arbeiten öfter in Teilzeit. Es besteht also die Gefahr, dass sie bei einem anhaltenden Betreuungsproblem eher auf den Job verzichten werden, wenn ein Elternteil zurückstecken muss. Dadurch würde Corona die Bemühung der letzten Jahre, die Vereinbarkeit von Familie mit Beruf zu verbessern und Müttererwerbstätigkeit zu erhöhen, zunichte machen.

Denn die Gesetzgebung ist auf diesen Krisenfall nicht vorbereitet. Paragraph 616 BGB regelt zwar, dass Arbeitnehmer*innen zur Betreuung ihrer Kinder für einen kurzen Zeitraum ihrer Arbeit fernbleiben können. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums entspricht ein kurzer Zeitraum jedoch lediglich zwei bis drei Tage.

Besonders benachteiligt sind neben Frauen, auch Alleinerziehende. Sie haben nicht die Möglichkeit die Betreuungszeit mit einem anderen Elternteil gerecht aufzuteilen. Auch die beliebte Option der Großeltern als Unterstützung bei der Betreuung fällt auf unbestimmte Zeit weg. Die Corona-Notbetreuung für Kinder wurde zwar bis mindestens 3. Mai bundesweit ausgeweitet, welche Eltern entlastet werden ist jedoch abhängig vom jeweiligen Bundesland. Während in bestimmten Bundesländern es ausreicht, wenn ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, können in manchen Bundesländern auch berufstätige Alleinerziehende die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Wie stark Eltern belastet werden, darf jedoch nicht von dem Wohnort abhängen. Viele Arbeitnehmer*innen nutzen inzwischen die Nachtstunden, wenn die Kinder im Bett sind, um konzentriert arbeiten zu können. Dies kann jedoch auf Dauer keine Lösung sein und entspricht keinesfalls gesunden Arbeitsbedingungen.

Wie Arbeitgeber Beschäftigte mit Kindern unterstützen können

In dieser Krisenzeit können auch Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, um Eltern aus der Belegschaft zu entlasten. Denn nicht jede Person kann unbegrenzt Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. Neben bedarfsgerechter Arbeitszeitentlastung gibt es verschieden Angebote, die Arbeitgeber zur Entlastung ihrer Mitarbeiter*innen in Anspruch nehmen können. Unser Partner Care+Work bietet beispielsweise Hilfe für Beschäftigte, die aufgrund der aktuellen Corona-Krise Unterstützungsbedarf bei der Organisation im privaten Bereich haben, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung oder im Haushalt. Auch der pme Familienservice hat schnell auf die Corona-Krise reagiert und eine interaktive Online-Kinderbetreuung entwickelt, bei der Kinder Montag bis Freitag in Klein- und Großgruppen von einer pädagogischen Fachkraft sinnvoll digital beschäftigt werden. Angebote wie diese ermöglichen, dass Beschäftigte sich auch im Homeoffice auf die Arbeit konzentrieren und effizient arbeiten können. Sie als Arbeitgeber profitieren zusätzlich von einer positiven Bindung durch die Unterstützung in Notsituationen und handeln im Sinne der psychischen Gesundheit ihrer Beschäftigten.

Mit ausreichend Unterstützung seitens der Politik und dem Arbeitgeber schließen sich ein produktives Homeoffice und Kinderbetreuung also nicht automatisch aus – zumindest für einen gewissen Zeitraum.

Autorin: Charlott Hoebel

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