Psychische Gefährdungsbeurteilung: Große Chance anstatt lästige Pflicht

Gesetzliche Grundlage

Im Oktober 2013 wurde vom Gesetzgeber das Arbeitsschutzgesetz um die psychische Gefährdungsbeurteilung erweitert (§ 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG). Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber zur Beurteilung der arbeitsbedingten psychischen Belastung seiner Mitarbeiter*innen verpflichtet ist. Ebenso verpflichtend ist die ausreichende Dokumentation der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung sowie möglicher Folgemaßnahmen (§ 6 ArbSchG). Die zunehmende Prüfung der Aufsichtsbehörden erhöht zusätzlich den Handlungsdruck auf den Arbeitgeber. Kommt der Arbeitgeber den Pflichten nicht nach, können Sozialversicherungsträger Regressansprüche geltend machen. Kosten für die Fehlzeiten, therapeutische Maßnahmen oder Frühberentungen von psychisch erkrankten Arbeitnehmer*innen werden so auf den Arbeitgeber abgewälzt.

Damit reagiert der Gesetzgeber auf die alarmierenden Zahlen: Psychische Erkrankungen sind für immer mehr Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Laut DAK-Gesundheitsreport 2014 waren im Jahre 2013 in Deutschland psychische Erkrankungen nach denen des Muskel-Skelett- und des Atmungssystems die dritthäufigste Ursache für Krankheitstage. Wissenschaftliche Studien belegen zusätzlich, dass körperliche Erkrankungen häufig durch psychische Fehlbeanspruchung bzw. Stress (mit) verursacht werden. Eine Studie, die den Einfluss akuter Stresserfahrungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit eindrücklich veranschaulicht, wurde in einem unserer Blogbeiträge vorgestellt. Dauerhafte Fehlbelastungen am Arbeitsplatz führen zu einer hohen psychischen Beanspruchung. Mögliche Langzeitfolgen reichen von Burnout-Symptomen über Angststörungen und Depression bis hin zu kardiovaskulären und vielen anderen körperlichen Erkrankungen.

Realität: Pflicht und Chance zugleich

Etwa 4 von 5 Unternehmen in Deutschland führen bisher keine psychische Gefährdungsbeurteilung durch. Neben dem befürchteten Aufwand sowie fehlenden Ressourcen sind mögliche Gründe dafür schlicht Unsicherheit und fehlendes Know-How bei der Durchführung. Und leider gewinnt eine Befragung zur Mitarbeitergesundheit durch die gesetzliche Verpflichtung einen stark defizitären Charakter, etwas das man als Arbeitgeber eben machen muss (bzw. eigentlich machen sollte). Was in den allermeisten Fällen jedoch unterschätzt wird: Eine Mitarbeiterbefragung, die die psychische Gefährdungsbeurteilung einbindet und sinnvoll um zusätzliche Kennwerte wie Motivation und Zufriedenheit mit dem Unternehmen erweitert, bietet eine große Chance: Es werden nicht nur Gefährdungen identifiziert, sondern auch Entwicklungspotentiale offen gelegt. Daraufhin bedeuten oftmals bereits kleine Veränderungen große Hebelwirkungen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Unternehmen.

Wie Sie richtig handeln

Mit der Normenreihe DIN EN ISO 10075 "Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung" konnte ein Standard etabliert werden, welches die objektive, zuverlässige und valide Durchführung einer psychischen Gefährdungsbeurteilung sichert. Damit ist gewährleistet, dass den Ansprüchen des Arbeitgebers bezüglich der psychischen Gefährdungsbeurteilung Folge geleistet wird.

Die psychische Gefährdungsbeurteilung selbst durchführen
Falls Sie planen, die Umsetzung und Auswertung der psychischen Gefährdungsbeurteilung selbständig durchzuführen, so sollten Sie sich zunächst an den oben erwähnten Normen orientieren. Dazu empfehlen wir Ihnen als erste Information folgendes PDF, welches durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bereitgestellt wird. Darin wird die Normenreihe ausführlich dargestellt. Außerdem finden sich darin Hinweise zur Gestaltung gesunder Arbeitsplätze:

Zum PDF "Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben" der BAuA

Ob Sie die Befragung selbst durchführen oder durch Dritte durchführen lassen, der wichtigste Hinweis vorweg: Das Einbinden aller Entscheidungsträger*innen im Unternehmen sowie die richtige Kommunikation an die Mitarbeiter*innen im Vorfeld ist die Voraussetzung eine erfolgreiche Durchführung. Darüber hinaus ist eine realistische Budgetplanung für mögliche Folgemaßnahmen notwendig.

Mit DearEmployee Survey und DearEmployee Insights zum gesunden Erfolg

DearEmployee unterstützt Sie in der Umsetzung der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Dabei liegt der Fokus auf den Wachstumspotentialen Ihres Unternehmens: Wir identifizieren für Sie wissenschaftlich fundiert, welche Faktoren der Arbeit zu signifikant mehr oder weniger Gesundheit und Leistungsfähigkeit führt. Wir analysieren dazu bei Bedarf auch die Auswirkungen auf Ihre Unternehmenskennzahlen wie Fehlzeiten, Fluktuation und Produktivitätsmaße. Das Hauptaugenmerk liegt neben der Bestimmung typischer Belastungsfaktoren wie Arbeitsanforderungen daher vor allem auf veränderbaren Ressourcen.