29. Juli 2019

Schlaflos nach Feierabend – Wie kann Schichtarbeit gesünder werden?

Detaillierte Informationen zu den Folgen von Schichtarbeit können Sie in unserem DearEmployee Blog-Beitrag „Wenn im Schichtdienst die Nacht zum Tag wird – Kranke Pflege in der Krankenpflege“ lesen. Kurz gesagt: Die Arbeit im Schichtdienst geht mit einer Reihe von psychischen, körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher. Es ist daher wichtig, die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im Schichtdienst so angenehm und umsetzbar wie möglich zu gestalten.

Maßnahmen für einen gesünderen Schichtdienst

Zur Reduktion der Belastungen und Beschwerden im Zusammenhang mit Schichtarbeit gibt es verschiedenste Maßnahmen und Empfehlungen. Hierbei handelt es sich um klassische Schichtsystem-Kriterien, die vor allem bei der Dienstplangestaltung beachtet werden sollten. Allgemeine Maßnahmen zur Verringerung übermäßiger Belastungen im Schichtdienst, wie zum Beispiel ausreichende Ruhezeiten zwischen den Diensten, sind in Infobox 1 dargestellt.

Außerdem gibt es weitere Präventionsmaßnahmen, die sich sowohl auf Aktivitäten des Unternehmens (Verhältnisprävention) als auch auf Aktivitäten der Beschäftigten (Verhaltensprävention) beziehen. Bei der Verhältnisprävention geht es zum Beispiel darum, in größeren Betrieben eine Kinderbetreuung anzubieten oder Strukturen zu schaffen, um die Beschäftigten in die Dienstplangestaltung mit einzubeziehen. Im Rahmen der Verhaltensprävention sind Maßnahmen wie die regelmäßige Teilnahme an arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen oder die allgemeine Gesundheitsförderung durch gesunde Ernährung und Sport zu nennen. Weitere Präventionsmaßnahmen befinden sich in Infobox 2.

Top-Down: Auch ein gutes Organisationsklima hilft

Tätigkeiten, die in Schichtsystemen ausgeübt werden, gehen häufig mit einer erhöhten emotionalen und sozialen Belastung und daraus resultierenden Konflikten, einher. Daher ist es essentiell den Beschäftigten den Rückhalt des Arbeitgebers und soziale Stabilität zu vermitteln. In einer Studie (Gehring et al, 2017) wurden die Auswirkungen von Schichtarbeit und Organisationsklima auf die Gesundheit von Pflegekräften untersucht: Sie konnten nachweisen, dass Interventionen, die sich auf die Verbesserung der Organisationsklimas und auf eine vermehrte Unterstützung der Pflegekräfte durch die Vorgesetzten konzentrieren, die potentiell negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Schichtarbeit mildern können.

DearEmployee unterstützt mit branchenspezifischer psychischer Gefährdungsbeurteilung

Um den speziellen Anforderungen der Beschäftigten in Schichtarbeit in Unternehmen gerecht zu werden, entwickelt DearEmployee branchenspezifische Fragebögen zur Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Auf diese Weise können spezifische Ursachen für die vermehrte physische und psychische Belastung der Beschäftigten im Schichtdienst erfasst werden. Erfasst werden bei DearEmployee deshalb die Arbeitsbedingungen, auf die der Schichtdienst eine besonders große Auswirkung hat, wie z.B. zeitliche Flexibilität, körperliche Anforderungen und Work-Life-Balance. Ein Beispiel für einen solchen Fragebogen ist die PGB für Pflegeberufe. Darüber hinaus können neben der Arbeit und dem Schichtdienst an sich, auch Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Schichtdienst und der Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen Gründe für eine Zusatzbelastung der Beschäftigten sein. Auch diese Belastung erfasst der DearEmployee Survey, um besonders effektive Maßnahmen zu identifizieren, die die Beschäftigten entlasten bzw. ihre Belastung minimieren.

Fazit

Schichtarbeit und generell jegliche Arbeit zu atypischen Arbeitszeiten geht mit vermehrten physischen und psychischen Beschwerden für die Beschäftigten einher. Jedoch lässt sich die Arbeit zu untypischen Arbeitszeiten in einigen Berufsfeldern nicht komplett vermeiden. Es ist daher umso wichtiger, die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im Schichtdienst so gesundheitsverträglich wie möglich zu gestalten. Den Unternehmen kommt gerade bei Schichtarbeit ein hohes Maß an Verantwortung für die Beschäftigten zu: Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse und Wünsche und möglichst umfassende Mitbestimmungsmöglichkeiten der Beschäftigten in Bezug auf die Arbeitszeit sind ein guter erster Schritt. Denn dies gewährleistet ein hohes Maß an Vorhersagbarkeit und Planbarkeit für die Beschäftigten und trägt auf diese Weise schon zu einer Reduktion physischer und psychischer Beschwerden im Zusammenhang mit Schichtarbeit bei.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

Quellen:

Dehring, T., von Treuer, K. & Redley, B. (2018). The impact of shift work and organisational climate on nurse health: a cross-sectional study. BMC Health Services Research. 18:586. https://doi.org/10.1186/s12913-018-3402-5

DGUV Report 1/2012 Schichtarbeit – Rechtslage, gesundheitliche Risiken und  Präventionsmöglichkeiten. Hiltraut Paridon, Sabine Ernst, Volker Harth, Peter Nickel, Annette Nold, Dirk Pallapies unter Mitarbeit von Friederike Engst, Liane Krahnert, Irene Schurtz, Jens Zorn, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

Hänecke, Kerstin & Grzech-Sukalo, Hiltraud (2012). Kontinuierliche Schichtsysteme. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Bund-Verlag GmbH. Hans-Böckler-Stiftung.

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