25. Januar 2021

Serie Arbeitspsychologie kurz erklärt: Stressoren

Die Angebote zur Stressbewältigung sind zahlreich. Doch spricht man von Stress, sollte zwischen Stress auslösenden Reizen (Stressoren) und einer Reaktionen darauf (Stressreaktionen) unterschieden werden. Ganz allgemein sind Stressoren alle inneren und äußeren Reize, die von einer Person eine Reaktion oder Anpassung erzwingen. Somit können alle denkbaren Situationen, die von der Person als unangenehm und/oder bedrohlich erlebt werden, Stressauslöser sein. Das kann die Kälte im Büro, das Verpassen des Busses, aber auch die Angst vorm Versagen sein. Allgemein kann man Stressauslöser unterteilen in:

  • physikalische Stressoren (z.B. Lärm oder Hitze)
  • körperliche Stressoren (z.B. Krankheiten, Hunger)
  • soziale Stressoren (z.B. zwischenmenschliche Konflikte, Trennungen und Verlusterfahrungen)
  • Leistungsstressoren (z.B. Prüfungssituationen, Zeitdruck)

Stressoren sind somit zunächst neutral einzustufen und können positive oder negative Reaktionen hervorrufen.

Der gleiche Stressor, aber unterschiedliche Reaktionen?

Nach dem transaktionalen Stressmodell der Psychologen Lazarus und Folkman (1984) führen Stressoren nicht automatisch zu einer Stressreaktion. Wann entsteht also Stress? Erst durch die Bewertung und Deutung der Situation, entsteht Stress. Das Modell definiert vier Phasen, wobei während der ersten drei Phasen der eigentliche Bewältigungsversuch (das Coping) erfolgt.

In der ersten Phase erfolgt die schnelle primäre Bewertung des Stressors als positiv/negativ, relevant/irrelevant oder bedrohlich/nicht bedrohlich. In der darauffolgenden sekundären Bewertung erfolgt die Einschätzung der eigenen Bewältigungsmöglichkeit. Dabei bewertet die Person sowohl die internen (eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse) als auch die externen (z.B. der Handlungsspielraum) Ressourcen. In der dritten Phase erfolgt die Bewältigung der Situation. Dies kann entweder problemfokussiert erfolgen (d.h. auf die Lösung oder Veränderung des Problems abzielend) als auch emotionsfokussiert (indem unangenehme Emotionen beherrscht oder reduziert werden). In der letzten Phase erfolgt die Neubewertung: die Situation wird nach Anwendung der Copingstrategien neu geprüft.

Stressoren im Arbeitskontext

Zu den übergeordneten Dimensionen von Stressoren im Arbeitskontext gehören organisationale Bedingungen, soziale Stressoren, physische Bedingungen sowie die Arbeitsaufgabe und -organisation. LePine et al., (2005) unterscheidet zwischen Challenge-Stressoren und Hindernis-Stressoren. Ein Challenge-Stressor fordert die Person zwar heraus, hat jedoch einen positiven Einfluss auf die Person: Sie hat die Überzeugung, dass sie diese Anforderungen erfüllen und die Situation meistern kann. Die Betrachtung von Stressoren als Herausforderung hängt zu einem großen Teil davon ab, inwieweit die Person das Gefühl hat, Kontrolle ausüben zu können. Ein Hindernis-Stressor hingegen nimmt die Person eher als eine Bedrohung für ihr Wohlbefinden wahr, da sie den Stressor möglicherweise nicht kontrollieren kann. Faktoren wie Arbeitsanforderungen und Arbeitsintensität können in diesem Rahmen als Challenge-Stressoren betrachtet werden, während Rollenmehrdeutigkeit und -konflikte, zwischenmenschliche Konflikte und Organisationspolitik von  als Hindernis-Stressoren betrachtet werden (LePine et al., 2005).

Der Teufel liegt…in der Wechselwirkung!

Allen Stressoren ist gemeinsam, dass es sich aus der Perspektive des Individuums um bedeutsame Reize handelt, wobei deren (1) Bewertung  von situativen Merkmalen und (2) individuellen Faktoren abhängt. Besonders wenn zahlreiche (1) negative psychische Belastungen mit einer (2) hohen Beanspruchung einhergehen, entfalten Stressoren ein erhebliches Gefährdungspotential. Arbeitgeber sollten diese genauer unter die Lupe nehmen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu schützen und psychische Erkrankungen wie Burnout am Arbeitsplatz vorzubeugen. Denn die Belastungsreaktion wirkt meistens auch nach Verschwinden des Stressors noch länger nach.

Autorin: Charlott Hoebel

Quellen:

Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. Springer publishing company.

LePine, J. A., Podsakoff, N. P., & LePine, M. A. (2005). A meta-analytic test of the challenge stressor–hindrance stressor framework: An explanation for inconsistent relationships among stressors and performance. Academy of management journal, 48(5), 764-775.

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