2. Oktober 2018

Ursachen, Folgen und Reduktion psychischer Belastung am Arbeitsplatz

Der Anteil an psychischen Erkrankungen aufgrund von psychischer Belastung am Arbeitsplatz hat über die letzten Jahre in allen Branchen zugenommen. Begriffe wie Burnout und Depressionen sind heute fast ebenso geläufig wie Grippe und Erkältung (ohne die Erkrankungen hiermit auf eine Stufe stellen zu wollen).

Leider sind psychische Belastungen am Arbeitsplatz deutlich schwerer zu erkennen als körperliche Belastungen und können eine Vielzahl von unangenehmen Folgen haben: Für die Betroffenen und für das Unternehmen. Im Folgenden erfahren Sie mehr über verschiedene Arten der psychischen Belastung am Arbeitsplatz, ihre Ursachen und Folgen und was Sie gegen sie unternehmen können.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass eine psychische Belastung nicht zwangsläufig krank macht. Abhängig von der Art der Belastung und den zur Verfügung stehenden Ressourcen und Bewältigungsstrategien des Betroffenen kann die Auswirkung der Belastung auch nur kurzfristig Folgen zeigen. Stellt das Unternehmen seinerseits ausgleichende Mittel zur Verfügung, kann eine dauerhafte Fehlbelastung und damit die Ursache von Erkrankungen in vielen Fällen vermieden werden.

11 Krankmacher

Dass es in diesem Feld einiges zu tun gibt, geht unter anderem aus einer Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervor, die elf krankmachende psychische Belastungen am Arbeitsplatz identifiziert hat:

  1. hohe Arbeitsintensität
  2. geringer Handlungsspielraum
  3. geringe soziale Unterstützung
  4. Ungleichgewicht zwischen erlebter beruflich geforderter Leistung und dafür erhaltener Belohnung oder Wertschätzung
  5. Überstunden
  6. Schichtarbeit, gesundheitsgefährdend sind vor allem Abend- und Nachtschichten
  7. Rollenstress
  8. aggressives Verhalten am Arbeitsplatz
  9. Arbeitsplatzunsicherheit
  10. die Kombination von geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität
  11. die Kombination von geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität bei zugleich geringer sozialer Unterstützung

Sieht man sich diese Liste genau an, springen einige Belastungen besonders ins Auge, da sie in manchen Branchen unvermeidbar sind. Ein Beispiel hierfür: Der Schichtdienst in Pflegeberufen. Auch in anderen Branchen treten viele ungünstige Faktoren gebündelt auf, wie zum Beispiel „Arbeitsplatzunsicherheit“, „Überstunden“ und „Arbeitsintensität“. „Aggressives Verhalten am Arbeitsplatz“ und Mobbing haben, nicht zuletzt durch den Einsatz von Social Media, ein neues Level erreicht und machen selbst vor dem Zuhause der Opfer nicht mehr halt.

Insgesamt hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahren durch Globalisierung und Digitalisierung immer rasanter verändert und beschleunigt. Arbeitende sind dank Smartphones rund um die Uhr erreichbar – nicht nur telefonisch. Eine steigende Zahl von Home-Office-Arbeitsplätzen lässt die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem weiter verschwimmen und nicht alle Unternehmen und Beschäftigten haben sich bereits optimal an diese Veränderungen angepasst.

Die Folge: Eine Zunahme der psychischen Belastung am Arbeitsplatz und damit einhergehend eine Zunahme an gesundheitlichen Folgen und Verdienstausfällen auf beiden Seiten. Hier sind Veränderungen dringend notwendig, um die psychischen Belastungen wieder auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Dass der Aufwand für diese Veränderung vergleichsweise gering ist, davon ist Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes überzeugt:

„Bei psychischen Belastungen ist die Gestaltung der Bedingungen hin zu guter Arbeit kaum ein Kostenfaktor, sondern erfordert ‚nur‘ ein Umdenken. Allerdings gewinnen Unternehmen, die sich hier engagieren, da Arbeit effizienter wird und die Mitarbeiter oft selbst lernen, motivierter zu arbeiten und so ihre Gesundheit zu erhalten.“ (Ärzteblatt)

Motivation, Mitarbeiterbindung und psychische Gesundheit

Jeder Mensch besitzt für Situationen, die er als belastend empfindet, Bewältigungsstrategien. Je nach angewandter Strategie äußert sich die Beanspruchung in unterschiedlicher Form auf psychischer und/oder körperlicher Ebene. Schafft man es, die psychische Belastung der Beschäftigten günstig zu gestalten (z.B. durch eine Veränderung der Arbeitsbedingungen oder eine Stärkung der Bewältigungsstrategien), können statt negativer Folgen sogar positive Effekte erzielt werden:

Als erwünschte (positiv empfundene) Beanspruchung kann sie beispielsweise zu Aufwärmung (Gewöhnung an Arbeitsaufgabe und dadurch weniger Anstrengung) und Aktivierung führen, was langfristig eine erhöhte Arbeitsmotivation und Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens sowie Bindung an das Unternehmen begünstigt.

Wird sie allerdings durch Über- oder Unterforderung als negativ empfunden (Fehlbeanspruchung). treten Ermüdung und Stress auf, was langfristig gefährliche Folgen auf die körperliche und psychische Gesundheit haben kann.

DearEmployee misst die drei Indizes Arbeitsmotivation, Bindung an das Unternehmen und Psychische Gesundheit im Rahmen der Psychischen Gefährdungsbeurteilung und kann anhand der Ergebnisse sowohl den Stand der Dinge abbilden als auch Handlungsempfehlungen aussprechen.

Warum man etwas tun sollte

Wird die psychische Überbelastung der Beschäftigten dauerhaft ignoriert, gehören zu den möglichen Folgen allgemeine psychosomatische Störungen und Erkrankungen wie Verdauungs- und Herzbeschwerden, Muskel- und Skeletterkrankungen, erhöhter Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenkonsum sowie Leistungsminderung, Unzufriedenheit, innere Kündigung, Depression und Burnout.

Diese möglichen gesundheitlichen Folgen von psychischer Fehlbelastung am Arbeitsplatz spiegeln sich auch in den aktuellen Ergebnissen des DAK Gesundheitsreports 2018 wider, der auf Grundlage von Daten aus 2017 erstellt wurde. Der direkte Zusammenhang zwischen diesen Ergebnissen und psychischer Belastung am Arbeitsplatz geht darüber hinaus dem iga.Report 32 hervor.

Die fünf häufigsten Gründe für Krankschreibungen im Jahr 2017 waren demnach Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (21,8%*), psychische Erkrankungen (16,7%*), Erkrankungen des Atmungssystems (15,4%*), Verletzungen und Vergiftungen (11,9%*) und Verdauungsbeschwerden (5,0%*). Alle diese 5 Erkrankungsarten treten durch Stress verstärkt auf. (*Anteile der zehn wichtigsten Krankheitsarten an den AU-Tagen siehe Abb. 13 des DAK Gesundheitsreports 2018)

In diesem Zusammenhang ist besonders die Rolle der psychischen Erkrankungen (größtenteils Depression und Burnout, Angststörungen und Suchterkrankungen) zu betonen, da sie mit einem stetigen Anstieg in den letzten 20 Jahren eine der auffälligsten Entwicklungen der Krankenstandskennziffern darstellt.

Waren im Jahr 1997 noch 2,5% der Krankschreibungsfälle aufgrund einer psychischen Erkrankung, so waren es 2017 schon 7,0%, also etwa dreimal so viel. Des Weiteren muss hier beachtet werden, dass eine psychische Erkrankung mit durchschnittlich 35,5 Arbeitsunfähigkeitstagen deutlich langwieriger ist als beispielweise eine Atemwegserkrankung mit durchschnittlich 6,5 Arbeitsunfähigkeitstagen. Die Folge sind steigende Kosten für Unternehmen durch Ausfall von Beschäftigten.

Und hier schlagen nicht nur die direkten Krankheitskosten sowie Kosten für Frühberentung aufgrund von psychisch bedingten negativen Gesundheitsfolgen enorm hoch zu Buche, wenn man von einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitsdauer von 17,2 Tagen je Arbeitnehmer im Jahr 2016 ausgeht. Die finanziellen Einbußen aufgrund von Produktionsausfällen (Lohnkosten) sowie Bruttowertschöpfungsausfälle (Verlust an Arbeitsproduktivität) sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle aufgrund von Arbeitsunfähigkeit lagen im Jahr 2016 bei 75 Milliarden Euro und die Ausfälle von Bruttowertschöpfung bei 133 Milliarden Euro (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, ab S. 41)

Vor dem Hintergrund dieser Daten kann die psychische Gesundheit der Beschäftigten als wichtiges Wirtschaftsgut bezeichnet werden. Negative psychische Beanspruchungsfolgen können durch eine Psychische Gefährdungsbeurteilung (PGB) und darauf folgende individuelle Maßnahmen reduziert werden. So lassen sich Gesundheit, Motivation und Bindung der Beschäftigten gewährleisten und krankheitsbedingte finanzielle Einbußen des Unternehmens möglichst gering halten.

Handlungsempfehlungen und Kooperationen

DearEmployee arbeitet mit einer Reihe innovativer Unternehmen zusammen, um Sie darin zu unterstützen, psychisch gefährdende Arbeitsbedingungen richtig zu beurteilen und die ersten Schritte zu einer positiven psychischen Beanspruchung zu gehen. Allgemein förderlich sind sogenannte EAP (Employee Assistance Programme), also Unterstützungsleistungen von externen Mitarbeiterberatungen, die sich speziell an Unternehmen und dem Bedarf ihrer Beschäftigten orientieren. Hier können Beschäftigte, finanziert durch den Arbeitgeber bei psychischen und sozialen Problemen im Arbeits- und Privatleben beratende Hilfsangebote nutzen.

Unser Partner Selfapy bietet Ihren Beschäftigten somit effektive Prävention und Therapie in psychischen Belastungssituationen. Zu dem Angebot gehören u.a. mehrwöchige Online-Programme, die Ihre Beschäftigten zu Themen wie Stress, Ernährung und Schlaf begleiten. Außerdem können Nutzer ihre Stimmung und Symptomatik messen und besonders in Akutsituationen psychologische Beratung per Telefon in Anspruch nehmen.

Viele Arbeitgeber fragen sich, ob diese Programme wirklich was bringen und vor allem ob sie die Investition wert sind. An dieser Stelle unterstützt DearEmployee mit einer gezielten Evaluation umgesetzter Maßnahmen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

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