12. Mai 2020

US-amerikanische Beschäftigte fordern in der Corona-Krise ausreichend Arbeitsschutz

Die Corona-Krise lässt uns viele Bereiche der Arbeit neu überdenken. Werden in Zukunft noch Dienstreisen benötigt? Welches Meeting kann auch digital durchgeführt werden? Kommt das Recht auf Homeoffice? Auch im Arbeitsschutz bringt die Pandemie einige Veränderungen. Die eigenen Beschäftigte zu schützen sollte im Moment für jeden Arbeitgeber die oberste Priorität sein. Doch Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass manche Unternehmen nicht schnell genug Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Denn in der Corona-Krise gibt es nicht nur Verlierer. Unternehmen wie Amazon oder Instacart verzeichnen Rekordumsätze.

 

Streiks für bessere Arbeitsbedingungen

Seit März streiken einige Beschäftigte verschiedener Warenlager des Konzerns Amazon in den USA. Unter anderem bemängeln die Beschäftigten nicht ausreichende Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus. Nachdem Amazon einen Lagerarbeiter und Mitorganisator des Protests entlassen hatte, hat sich nun auch die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates New York eingeschaltet. Sie möchte prüfen, ob Arbeitnehmerrechte verletzt wurden. Am Freitag den 1. Mai protestierten überall in den USA Beschäftigte von Großunternehmen wie Amazon, Instacart und Target für bessere Schutzmaßnahmen, Arbeitsbedingungen und  Bezahlung während der Pandemie.

Auch wenn die Proteste durch das Niederlegen der Arbeit keinen erheblichen Einfluss auf die Produktion hatten, waren sie auf eine andere Weise effektiv. Der Streik brachte niedrig bezahlte, nicht gewerkschaftlich organisierte und oft befristet beschäftigte Arbeitnehmer*innen aus den größten Unternehmen der USA zusammen. Neben politischer und öffentlicher Unterstützung bekamen sie auch ein breites Medienecho. Die Versorgung mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern während der Pandemie ist systemrelevant und gerade für Zuliefer*innen nicht ungefährlich. Diese Arbeit sollte mit ausreichend Zugang zu Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe, längere Freistellung, um sich von Krankheit zu erholen, und höhere Bezahlung gewürdigt werden. Denn die Angst vor einer Ansteckung stellt zusätzlich eine erhebliche psychische Belastung dar.

 

Vernachlässigung im Arbeitsschutz hat Konsequenzen

In Frankreich hatten mangelnde Schutzmaßnahmen bei Amazon bereits Folgen. Seit Mitte April darf der Konzern nur noch Lebensmittel, Hygiene- und medizinische Produkte ausliefern. Dies hatte ein französisches Gericht, aufgrund der nicht ausreichenden Erfüllung der gesundheitlichen Sicherheit der Beschäftigten in den Logistikzentren, entschieden. Zusätzlich droht dem Unternehmen für jeden Tag, an dem sie die geforderten Sicherheits- und Gesundheitsstandards nicht erfüllen, eine Geldstrafe in Höhe von einer Millionen Euro. Um keine Strafe zu riskieren, bleiben die Logistikzentren in Frankreich zunächst bis zum 13.5 geschlossen. Inzwischen hat das Unternehmen außerdem angekündigt, in dem Rechtsstreit vor das höchste Gericht Frankreichs zu ziehen.

 

Wie geht es weiter im Kampf um einen anständigen Arbeitsschutz?

In den USA hat Amazon inzwischen erklärt, dass sie zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen werden. Dies beinhaltet eine verstärkte Reinigung der Standorte und die Einführung gestaffelter Schicht- und Pausenzeiten, um den Kontakt zu verringern. Außerdem hat das Unternehmen erklärt, dass es die Bezahlung der Lagerarbeiter*innen weltweit erhöhen würde, u.a. um zwei Dollar pro Stunde in den USA und um zwei Pfund pro Stunde in Großbritannien. Trotzdem erhalten Beschäftigte bei Amazon weiterhin nur Gehalt, wenn sie aufgrund des Coronavirus krankgeschrieben sind. Unternehmen sollten in dieser schwierigen Zeit die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten im Blick behalten, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Der öffentliche Druck und die gewerkschaftliche Organisierung der Beschäftigten haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Amazon seine Schutzmaßnahmen und Vorteile für Beschäftigte ausgeweitet haben. Der aktuelle Streik hatte zwar nicht die gleichen Dimensionen der historischen Arbeiterproteste am 1. Mai 1886 in den USA. Damals kämpften hunderttausende Arbeiter*innen für einen 8-Stunden-Arbeitstag und bessere Arbeitsbedingungen. Trotzdem zeigt der aktuelle Protest, dass Unternehmen in der Corona-Krise die Forderungen der Beschäftigten nicht ignorieren können und dass auch kleine Gruppen von Beschäftigten durch die Aufmerksamkeit in den Medien große Veränderungen in den Arbeitsbedingungen bewirken können.

Autorin: Charlott Hoebel

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