9. Juli 2018

Wie finde ich einen Psychotherapieplatz?

Der Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen wächst

Seit den 1990ern steht die Psychotherapie vor großen Herausforderungen. Einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen, die aufgrund Ihrer schlechten Arbeitsbedingungen oder privater Probleme psychotherapeutische Leistungen in Anspruch nehmen möchten oder müssen, steht eine verhältnismäßig immer kleiner werdende Anzahl von Psychotherapeut/innen mit Kassensitz zur Verfügung. Eine unkomplizierte Abrechnung der psychotherapeutischen Leistung über die Krankenkasse gestaltet sich somit zunehmend schwierig.

Private Leistungen müssen auch privat getragen werden

Resultierend aus dieser Entwicklung eröffnen mehr und mehr private Psychotherapiepraxen, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. 
Diese Leistungen müssen im Regelfall allerdings privat getragen werden. Menschen, die sich eine private Psychotherapie nicht leisten können oder wollen, sehen sich somit oftmals mit Wartezeiten für Kassentherapeuten/innen von bis zu einem halben Jahr konfrontiert – was in vielen Fällen für jemanden, der dringend psychotherapeutische Hilfe benötigt, schlicht unmöglich ist.

Ein Ausweg aus dieser Situation

Allerdings gibt es einen Ausweg aus dieser Situation: Kann nachgewiesen werden, dass ein dringender Fall vorliegt und kein/e Psychotherapeut/in mit Kassensitz in annehmbarer Zeit gefunden wurde, so besteht ein gesetzlicher Anspruch darauf, dass die Therapiekosten für eine Behandlung über eine private Psychotherapiepraxis von der Krankenkasse übernommen werden. Der genaue Ablauf, wie der Bedarf an einer Psychotherapie und die Suche nach einem Therapieplatz nachgewiesen werden kann, findet sich hier.

 

Die einzelnen Schritte

1. Termin für ein Erstgespräch vereinbaren

Erster Schritt um einen Psychotherapieplatz zu finden, ist die Terminvereinbarung für eine psychotherapeutische Sprechstunde. Hierfür ist die zentrale Terminvergabestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zuständig. In Berlin ist diese Servicestelle von Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 030 310 033 83 zu erreichen. Die Kontaktdaten für andere Bundesländer finden sich hier. Die Terminvergabestelle wird einen Termin innerhalb der nächsten vier Wochen zuteilen. Wichtig ist hierbei, dass eines der drei von der Kasse anerkannten Richtlinienverfahren gewählt wird: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (auch Tiefenpsychologie genannt). Eine Beratung, welche Methode im konkreten Fall die passendste ist, wird angeraten.

Nach diesem ersten Beratungstermin wird die vorläufige Diagnose, Dringlichkeit und Empfehlungen im Formular PTV11 festgehalten. Dieses Formular ist ein wichtiges Dokument für den Antrag zur Kostenübernahme bei der Krankenkasse.

2. Psychotherapiepraxen mit Kassensitz kontaktieren

Während der Wartezeit auf den ersten Gesprächstermin, der über die Terminvergabestelle vereinbart wurde, ist es ratsam, schon nach Therapeut/innen mit Kassensitz zu suchen.

Wichtig ist, die Suche zu dokumentieren, das Datum und Uhrzeit der Anfrage, die Länge der Wartezeit und gegebenenfalls auch die Rückmeldung der Psychotherapiepraxen festzuhalten.

Neben klassischen Quellen wie Empfehlungen durch Familie oder den Freundeskreis bietet sich hierfür vor allem das Internet für die Suche an.

Die wichtigsten Suchportale sind:

Die kassenärztliche Vereinigung Berlin
Hier als Fachgebiet Psychologischer Psychotherapeut/in (oder psychotherapeutischer Arzt/Ärztin) angeben. Unter der Stichwortsuche kann nach einem bevorzugten Verfahren wie zB Tiefenpsychologie gesucht werden.

Psychotherapeutenkammer
Hier unter “erweiterter Suche” den Punkt “Kassenleistungen” anklicken.

Psychotherapieinformationsdienst der Deutschen Psychologenakademie
Diese Seite bietet ebenfalls Hilfestellung bei der Suche nach einem Therapeuten/in.

Diverse private Suchportale
Wie z.B. psychotherapeutensuche.de oder Therapie.de
Hier ebenfalls die Abrechnungsvariante “Krankenkasse” auswählen.

3. Private Psychotherapiepraxen kontaktieren

Falls die Suche nach einer Kassenpraxis nicht erfolgreich war, so kann nun nach Privatpraxen gesucht werden, die im Regelfall größere Kapazitäten für Patienten haben. Wurde eine Privatpraxis mit freier Kapazität gefunden, so kann ein erster Termin zum Kennenlernen vereinbart werden. Dieser Termin dient vor allem dazu, abzuklären, ob gegenseitige Sympathie besteht und der Patient/in sich beim Behandler/in wohl fühlt. Wichtig ist, den Psychotherapeuten/in darüber zu informieren, dass schon erfolglos nach einem Behandler/in mit Kassensitz gesucht wurde. So kann der Therapeut/in die Unterlagen vorbereiten, die für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse benötigt werden.

4. Kostenerstattungsverfahren beantragen

Nun muss ein Termin mit dem Hausarzt/ärztin (bzw. einem Psychiaters/in) vereinbart werden. Dieser Termin dient dazu, eine “ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung” und einen “Konsiliarbericht” ausstellen zu lassen. Diese Dokumente weisen nach, dass Behandlungsbedarf besteht und keine medizinischen Ursachen der Grund für die Beschwerden sind bzw. gegen die Behandlung sprechen.

Gemeinsam mit dem Psychotherapeuten/in kann nun im nächsten Schritt die Kostenerstattung beantragt werden. Der Psychotherapeut/in unterstützt hier mit der Eintragungsnummer ins Arztregister der KV und einer Kopie der Approbations- und Verfahrensurkunde über die gewählte Behandlungsmethode. Sind alle Dokumente vollständig, so kann der Antrag an die Krankenkasse geschickt werden.

Natürlich kann während des gesamten Prozesses gleich direkt mit einer Behandlung bei einer privaten Psychotherapiepraxis begonnen und die Kosten vorab selbst getragen werden.

Was tun, wenn der Antrag für einen Psychotherapieplatz abgelehnt wurde?

Falls es zu einer Ablehnung der Kostenübernahme für die Therapie kommt, so kann Widerspruch eingelegt werde. Oftmals reicht die Androhung rechtlicher Schritte schon aus, denn die Übernahme der Kosten für eine Therapie ist gesetzliche geregelt, wenn nachgewiesen werden kann, dass Dringlichkeit besteht und kein Arzt/Ärztin mit Kassensitz gefunden wurde. Basis hierfür ist das Kostenerstattungsverfahren, das in § 13 Absatz 3 SGB festgelegt ist.

Bildquelle: Pexels.com

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