16. Oktober 2018

Wie man mit Arbeitszeitmodellen in der Pflege Beschäftigte binden kann

Pflegepersonal ist allerorten knapp. So knapp, dass nicht nur offene Stellen unbesetzt bleiben: Auch die Beanspruchung neu eingestellter Pflegekräfte in einem Ausmaß gestiegen ist, dass viele bereits kurz nach Berufseintritt den Pflegedienst quittieren, um sich beruflich neu zu orientieren. Andere wechseln ihre Arbeitsstelle in der Hoffnung, dass die Arbeitsbedingungen anderswo besser sind. Und das ist in manchen Fällen auch tatsächlich so: Eine Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu optimieren, ist der geschickte Einsatz von Arbeitszeitmodellen.

Wer in der Pflege arbeitet, arbeitet im Schichtdienst. Auch neue Modelle können kaum etwas an dieser Realität ändern. Mit dem Schichtdienst gehen vielfältige körperliche, psychische und soziale Belastungen einher. Familie, Freunde und Freizeitgestaltung leiden mitunter stark unter der unvermeidlich starken Auslastung der Pflegekräfte im Schichtdienst. An dieser Stelle gilt es, durch flexiblere Arbeitszeitmodelle einer Fehlbeanspruchung entgegenzuwirken und so eine für Gesundheit und Motivation günstigere Work-Life-Balance herzustellen.

Die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle in der Pflege

Das 3-Schichten-Modell

Das klassischste Modell ist das 3-Schichten-Modell. Der Arbeitstag wird in Früh-, Spät- und Nachtschicht unterteilt und die Pflegekräfte werden entweder einer Schicht dauerhaft zugeordnet oder durchlaufen alle Schichten nach einem Wechselschichtmodell. Die Arbeitswoche hat in diesem Modell klassischerweise 5, 5,5 oder 6 Tage. Weitere Informationen zu diesem und anderen Schichtdienst-Modellen finden Sie übrigens hier.

Das 7/7-Modell

Ein bei Polizei und Feuerwehr schon länger etabliertes Schichtmodell ist das 7/7-Modell. Hierbei folgen auf 7 Arbeitstage 7 freie Tage. Die Arbeitszeit pro Schicht umfasst 12 Stunden (einschließlich 2 Stunden Pause). Aufsummiert ergibt ein 7-Tage-Dienst 70 geleistete Arbeitsstunden, was über 2 Wochen betrachtet einer 35-Stundenwoche entspricht. Auch in diesem Modell sind feste Schichten genauso denkbar wie Wechselschichtmodelle. Beide Varianten sind sehr gut planbar und vorhersehbar.

Den Vorteilen dieses Modells stehen zwar auch Nachteile gegenüber, dennoch scheint es so sein, dass das 7/7-Modell den Praxistest in der Pflege mehr als bestanden hat. Denn nicht nur die Work-Life-Balance der Mitarbeiter kann mit diesem (zusätzlichen) Modell besser gewährleistet werden – auch die Arbeitsabläufe profitieren von dieser Regelung und damit auch die Pflegebedürftigen.

Die Vorteile und Nachteile in der Übersicht

Vorteile in der Pflege

  • Dienstplangestaltung wird einfacher und kostet weniger Zeit, Korrekturen werden seltener
  • gleichbleibende Besetzung an allen Wochentagen
  • seltenerer Mitarbeiterwechsel in der Grundpflege: In der Regel wird ein ganzer Tag begleitet.
  • pro Schicht stehen mehr Pflegekräfte zur Verfügung, daraus folgt:
    • mehr Zeit für Bezugspflege
    • mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten
  • keine Mittagsübergabe, wodurch …
    • … weniger Informationsverlust entsteht
    • … die Qualität der Pflegedokumentation steigt

Vorteile für die Work-Life-Balance:

  • das ganze Jahr ist gut vorhersehbar
  • jedes zweite Wochenende ist frei
  • je nach Anzahl der Urlaubstage sind zwei oder drei dreiwöchige Auszeiten möglich (Familienurlaube werden einfacher)
  • längere Pausenzeiten sind familienfreundlicher
  • Springer-/Bereitschaftsdienste werden weniger
  • zufriedene Mitarbeiter steigern die Bewohner- und Patientenzufriedenheit

Nachteile:

  • die Umstellungsphase dauert bis zu zwölf Wochen
  • die Belastung in den Dienstwochen steigt; Ermüdung und Erschöpfung am Ende der 7 Tage sind häufig
  • bei längeren Arbeitswegen schlechter umsetzbar*
  • Angehörigenpflege oder Kinderbetreuung oft schwieriger*

* Flexiblere Arbeitszeiten in Einzelfällen lassen sich allerdings gut mit dieser Dienstplanung vereinbaren.

Fazit

Das 7/7-Modell ist sicher nicht der heilige Gral der Arbeitszeitmodelle in Pflegediensten. Es kann aber einen wertvollen Beitrag leisten, wenn es zu den Gegebenheiten passt und die Attraktivität der jeweiligen Einrichtung sowohl für Pflegekräfte als auch für Pflegebedürftige erhöhen.

Gerade für jüngere Pflegekräfte, die einerseits der höheren und längeren Belastung der 7-Tage-Phase besser gewachsen sind und andererseits weniger häufig Angehörige oder Kinder zu versorgen haben, kann dieses Modell wegen der langen Erholungsphasen sehr attraktiv sein.

Wie aus dem oben bereits zitierten „ Leitfaden zum ‚7/7-Arbeitszeitmodell‘ “ der Deutschen Seniorenstift Gesellschaft hervorgeht, kann die Umsetzung dieses Modells sogar zum Qualitätsmerkmal von Arbeitgebern gelten – und damit als lohnender Ansatz, die Mitarbeiterzufriedenheit im eigenen Unternehmen zu steigern und Pflegekräfte länger zu binden.

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Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

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