23. Juli 2019

Zu wenig Betriebsärzte und -ärztinnen für zu viele Unternehmen

Der Versorgungsmangel an ärztlichen Leistungen ist ein Thema, das schon einige Jahre sowohl in der Politik als auch in den Medien präsent ist. Doch es fehlt nicht nur an Ärzten und Ärztinnen auf dem Land, auch in den Betrieben sind ärztliche Versorgungslücken immer häufiger zu finden. Dieser Personalengpass hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Die betriebsärztliche Betreuung von Unternehmen sinkt – bei steigendem Bedarf. Die Bunderegierung gibt an, dass der Anteil der Betriebe, die durch eine Betriebsärztin oder einen Betriebsarzt betreut wurden, von 2011 bis 2015 von 40 auf 35 Prozent gesunken ist. Obwohl inzwischen einige Maßnahmen eingeleitet wurden, um den Beruf als Arbeitsmediziner*in attraktiver zu machen, ist es fraglich, ob diese Maßnahmen auch mit Blick auf den demografischen Wandel ausreichend sind. In einer Analyse zur „Arbeitsmedizinischen Fachkunde“ von 2017 zeigt die Bundesärztekammer, dass mehr als 62% der Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde bereits 60 Jahre und älter sind.

Warum ist die betriebsärztliche Versorgung für ein Unternehmen wichtig?

Das Fach „Arbeitsmedizin“ und die Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ nehmen einen wichtigen Platz in der Arbeitswelt ein. Einen ausführlichen Bericht über die Aufgaben der Arbeitsmedizin finden Sie in unserem Beitrag  „psychische-gefaehrdungsbeurteilung-als-teil-der-arbeitsmedizin“. Das Besondere und Wichtige an der Arbeitsmedizin ist ihre präventive Ausrichtung: Ihr Ziel ist es also nicht arbeitsbedingte Krankheiten zu bekämpfen, sondern ihnen gar nicht erst die Chance zu geben, sich zu entwickeln. Arbeitsmediziner und Arbeitsmedizinerinnen entlasten damit nicht nur ihre Kollegen und Kolleginnen, sondern bewahren Unternehmen auch vor Kosten in Milliardenhöhe aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach betriebsärztlichen Leistungen immer weiter wächst.

Die Aufgaben einer Betriebsärztin oder eines Betriebsarztes

Anstatt primär zu behandeln, beraten Betriebsärzte und -ärztinnen Arbeitgeber und Beschäftigte in allen Fragen des medizinischen Arbeitsschutzes. Diese Beratung kann Themen wie die Einführung neuer Arbeitsverfahren, die Umgestaltung von Arbeitszeit-, Pausen- und Schichtsystemen, aber auch die für den Arbeitsschutz bedeutsamen Suchterkrankungen umfassen. Weitere Arbeitsinhalte sind die Beobachtung des Arbeitsschutzes im Betrieb z.B. durch eine Begehung der Arbeitsstätten und Vorsorgeuntersuchungen wie Impfungen. Gerade bei Tätigkeiten mit gefährlichen Stoffen oder Geräten ist ein betriebsärztlicher Besuch unabdingbar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Berufs ist die Hilfe bei der Beurteilung von Arbeitsbedingungen zum Beispiel in Form einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Das Thema psychische Gesundheit in der Arbeitswelt ist komplex und wird zunehmend durch die steigenden Fallzahlen psychisch erkrankter Beschäftigter dringlicher. Eine psychische Gefährdungsbeurteilung (zum Beispiel mit DearEmployee) kann die Arbeitsmedizin in diesen Bereich unterstützen.

Weniger betriebsärztliche Leistungen, mehr psychische Belastung?

Unternehmen wollen, dass ihr Personal motiviert und leistungsfähig ist. Denn nur mit leistungsstarken Beschäftigten können die Betriebe im Wettbewerb erfolgreich bestehen. Die steigende Nachfrage nach betriebsärztlichen Leistungen zeigt, dass die Notwendigkeit von präventiven Gesundheitsmaßnahmen in den Firmen immer präsenter wird. Doch das derzeitige Angebot wird dem Bedarf nicht gerecht. Dies ist fatal – auch im Hinblick auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Da Betriebsärzte und -ärztinnen häufig auch für die psychische Gefährdungsbeurteilung zuständig sind, kann ein Personalengpass erheblichen Einfluss auf die psychische Belastung am Arbeitsplatz haben. Deshalb ist es wichtig, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage schnellstmöglich zu schließen und genug Personal in der Arbeitsmedizin auszubilden, damit Arbeit auch in Zukunft nicht krank macht.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der DEKRA.

Autorin: Charlott Hoebel, mit Henning Jakob

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